Im Rahmen der Mittagsbetreuung hat Khadija Houro aus Klasse 6 mit Hilfe von Gitte de Vries dieses schöne Märchen geschrieben.

Khadija und Elias (Klasse 5) haben dazu passende Bilder gemalt.

Ein Märchen

Es war einmal in einem großen dunklen Wald. Dort lebte eine wunderschöne junge Frau. Sie hieß Julia. Sie war ganz allein auf der Welt, sie war aber nicht einsam, denn sie hatte einen Raben und ein Rehkitz als Freunde und sie hatte eine besondere Gabe. Sie konnte mit ihren Tieren reden. Mit ihnen sprach sie den ganzen Tag. Sie wohnte in einem alten Holzhaus.

Eines Tages klopfte es an der Tür. Julia war erstaunt: „Wer wird denn das sein?“, fragte sie sich. Sie erwartete niemanden. Julia traute sich nicht zur Tür. Sie bat den Raben durch den Schornstein rauszufliegen und zu schauen, wer denn da an der Türe klopfte.

„Jawohl“ sagte der Rabe und verschwand durch den Schornstein.

Aufgeregt kam er zurück, flatterte durch das Zimmer und schrie:

„Ein Zwerg, ein Zwerg, Hilfe ein Zwerg.“

Julia rief: „Beruhige dich, ich schaue nach.“

Sie öffnete die Tür und tatsächlich, da stand ein Zwerg, er hatte einen großen Hut auf dem Kopf und eine riesen Nase im Gesicht. Er schaute mit großen Augen Julia an.

„Grüß Gott, schönes Kind. Du wohnst ganz alleine?“

„Nein“, sagte Julia, „ich wohne nicht alleine. Ich wohne mit meinen Freunden. Ein Rabe und ein Rehkitz sind für mich meine Familie.“

„Ich habe auch keine Familie“, sagte der Zwerg.

„Was möchtest du von mir?“ fragte Julia.

„Ich würde gerne bei dir und den Tieren wohnen, denn ich habe keine Familie und bin immer alleine.“
Julia überlegte nicht lange und bat den Zwerg ins Haus. Für sich dachte sie, es ist gut, wenn noch eine Person mit mir hier wohnt. Sie zeigte ihm seinen Schlafplatz und gab ihm gleich eine kleine Aufgabe. Sie drückte ihm einen Korb in die Hand und bat den Zwerg Holz zu sammeln.

„Ich helfe gerne“ sagte der Zwerg und machte sich auf den Weg in den Wald. Julia kümmerte sich unterdessen um das Mittagessen für die Tiere, für sich und für den Zwerg.

Da klopfte es wieder an der Tür: „Wer ist da?“ rief Julia.

„Ich suche einen kleinen Mann.“ sagte die Stimme hinter der Tür.

Julia öffnete und da stand sie einer sehr hässlichen alten Frau gegenüber.

„Hallo, ich suche einen Zwerg. Hast du ihn gesehen?“

„Nein,“ sagte Julia, „ich habe ihn nicht gesehen.“

Das war eine Lüge, aber sie wollte den Zwerg schützen, weil die Frau ihr unsympathisch war.

„Aber warum fragen sie?“

„Er ist mein Sklave, er arbeitet für mich. Er muss tun was ich ihm sage.“

In diesem Moment kam der Zwerg aus dem Wald mit einem großen Korb voll Holz zurück.

„Schau wie fleißig ich war!“ rief er. Da sah er die Hexe und erschrak furchtbar.

„Sofort kommst du hier her, wer hat dir erlaubt mich zu verlassen?“ schrie die Hexe, packte den Zwerg am Kragen und schliff ihn mit sich mit.

Julia konnte das nicht mit ansehen, diese rohe Behandlung. Sie lief hinter den Beiden her und rief: „Niemand hat das Recht einen Menschen zum Sklaven zu machen. Jeder hat das Recht auf Freiheit. Außerdem habe ich diesen Zwerg gerne.“

Kaum hatte sie es ausgesprochen, ertönte ein lauter Knall. Rauch stieg an der Stelle, wo der Zwerg und die Hexe standen, auf.

Als der Rauch sich verzogen hatte, lag auf der Wiese ein schöner junger Mann. Von der Hexe war nur noch ein Häuflein Asche übrig. Julia beugte sich über den jungen Mann und legte seinen Kopf auf ihren Schoß. Da schlug der junge Mann die Augen auf und sah Julia an.

„Ich danke dir für meine Erlösung. Diese alte Hexe hat mich verzaubert. Mein Name ist Christian von Hohenfels. Ich bin ein Königssohn und bin dir ewig dankbar für die Erlösung. Komm mit mir auf mein Schloss und werde meine Gemahlin.“

Julia schaute dem Prinzen tief in die Augen und sagte mit leiser Stimme: „Ja ich will!“

Und wenn sie nicht gestorben sind so leben sie noch heute.

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